Durch die Liebe zum Rollstuhlbasketball vereint

Oktober 13, 2021

Was bedeutet Inklusivität? Wir haben ein gutes Beispiel. Der Partner von Svenja Mayer – Spielerin im Team Deutschland – ist André Hopp, ebenfalls Rollstuhlbasketballer. Der Sport ist für sie wie eine zweite Familie, und so haben sie sich auch kennengelernt. Daran ist nichts Ungewöhnliches, könnte man meinen. Abgesehen davon, dass Andre voll arbeitsfähig ist.

Text: Jana Rudolf, Fotos: Uli Gasper

André Hopp ist der Mann an der Seite von Nationalspielerin Svenja Mayer. Mit ihr teilt er nicht nur sein Leben, sondern auch seine Liebe zum Rollstuhlbasketball. André Hopp und Svenja Mayer sind seit 2015 ein unschlagbares Team. Sie haben sich 2014 durch eine gemeinsame Leidenschaft kennengelernt: Rollstuhlbasketball. „Rollstuhlbasketball ist für mich zu einer zweiten Familie geworden. Jeder kennt jeden und nach den Spielen machen wir oft gemeinsame Unternehmungen“, sagt Hopp. Da er selbst keine Behinderung hat, schätzt der 30-jährige André besonders die Inklusivität der Sportart:

Es ist toll, dass beim Rollstuhlbasketball sowohl Frauen und Männer als auch Menschen mit und ohne Behinderung in einem Team zusammenspielen.

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Über seinen Vater Marco Hopp fand er 2002 den Weg zum Rollstuhlbasketball: „Mein Papa sitzt selbst im Rollstuhl und hat mich als kleines Kind öfter zu seinen Spielen mitgenommen. Als er 2002/2003 dann in Heidelberg eine Kinder- und Jugendmannschaft übernommen hat, habe ich dort einfach mitgemacht und hatte so großen Spaß am Rollstuhlbasketball, dass ich bis heute dabeigeblieben bin.“ Ab 2005 hat Hopp außerdem mit einer Doppellizenz in Trier gespielt und stieg dort 2008/2009 erstmals in die erste Liga ein. Parallel blieb er weiterhin in Heidelberg als Spieler aktiv, zwei Saisons spielte er dort sogar gemeinsam mit seinem Vater. „Mein Papa hat mich immer auf meinem Weg begleitet und war für mich da – egal ob als Vater, Coach, Trainer oder Mitspieler“, sagt André Hopp.

2016 wurde Hopp mit einer unerwarteten Entscheidung konfrontiert

Als der Bundesligist Rhine River Rhinos aus Wiesbaden seinen Aufstieg in die erste Bundesliga im Clubrestaurant von Heidelberg feierte, unterbreitete Mirko Korder, Manager der Rhinos, André Hopp ein unerwartetes Angebot:

Er kam zu mir und meinte: André, hast du nicht Lust bei uns zu spielen, wo wir doch jetzt in der ersten Liga sind?

„Da war ich erstmal perplex und bat Mirko, mir Zeit zu geben und mich in drei Wochen nochmal anzurufen“, erzählt der 30-Jährige.

In den drei Wochen folgten viele Gespräche mit seiner Freundin Svenja Mayer. Der ursprüngliche Plan wäre gewesen, dass sie noch im gleichen Jahr zu ihm zieht, um gemeinsam mit ihm in Heidelberg zu spielen. Das Angebot aus Wiesbaden aber hätte bedeutet, dass die beiden an verschiedenen Orten zu ganz unterschiedlichen Zeiten spielen würden. Keine leichte Entscheidung. „In Heidelberg war ich der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft. Mein Vater war mein Trainer, ich war Kapitän, Helfer, Auf- und Abbauer und alles Mögliche. Und bei den Rhinos hat es mich gereizt, mal einfach nur Spieler sein zu können und neue Luft zu schnuppern“, erklärt Hopp.

Sein Vater und Svenja Mayer zeigten für seine Situation Verständnis und haben ihn in der Entscheidung bestärkt, nach Wiesbaden zu den Rhinos zu wechseln. „Svenja ist trotzdem zu mir gezogen und hat in Heidelberg gespielt. Wenn sie trainingsfrei hatte, habe ich sie auch mal nach Wiesbaden mitgenommen. Auf diese Weise konnten wir gut mit der neuen Situation umgehen“, sagt der 30-Jährige. Der Wechsel zu den Rhinos war die richtige Entscheidung, bis heute spielt er dort als Center in seiner bald fünften Saison.

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Gegenseitiger Rückhalt ist das Geheimrezept des Duos

Weil André Hopp selbst keine Behinderung hat, kann er nicht auf internationaler Ebene spielen und muss bei diesen Spielen zusehen. Ein Problem ist das allerdings nicht für ihn, im Gegenteil: „Ich genieße es eher, von der Zuschauertribüne dabei zuzusehen, was meine Freundin und auch meine Freunde unten auf dem Feld leisten und in der Vergangenheit geleistet haben, um dort zu stehen, wo sie heute sind“, erklärt Hopp.

„Außerdem könnten Svenja und ich uns kaum noch sehen, wenn wir beide in der Nationalmannschaft spielen würden.“ Svenja Mayer ist durch den Rollstuhlbasketball, den sie nicht nur wie ihr Partner als Hobby, sondern professionell betreibt, zeitlich stark eingebunden. Doch Hopp hat dafür Verständnis und unterstützt seine Freundin wo er nur kann.

Svenja und ich könnten uns kaum noch sehen, wenn wir beide in der Nationalmannschaft spielen würden.

Seine eigene Saisonpause hat er beispielsweise dafür genutzt, um mit Mayer individuell zu trainieren. Als Nationalspielerin schätzt er vor allem ihre Präsenz auf dem Feld: „Sie versucht alle Anweisungen ihres Coaches sofort umzusetzen, egal, ob diese Anweisungen während dem Spiel kommen oder in der Auszeit“, erklärt Hopp. Außerdem sei Svenja Mayer sehr wissbegierig und gebe auf dem Feld bis zur letzten Sekunde hundert Prozent. „Manchmal haben wir auch Meinungsverschiedenheiten, weil wir beide ziemlich unterschiedliche Spielweisen haben. Aber inzwischen haben wir da einen ganz guten Mittelweg gefunden, wie wir beide Spielarten gut miteinander kombinieren können“, erzählt Hopp und lacht. Ihm ist es wichtig, seiner Freundin zu zeigen, dass die Menschen, die sie lieben, immer hinter ihr stehen. „Das stärkt Svenja ungemein und das braucht sie auch – denn die Familie ist ihre Kraftquelle.“

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Dieser Artikel erschien im Original im rollt-magazin.de

Topics: Paralympics, #RoadToParis, #Rollstuhlbasketball